Über Pustiana/Pusztina in aller Kürze

Das auf der linken Seite des Tázló- (Tazlau) Flusses liegende Pusztina (Pustiana) gehört zu den jüngsten ungarischen Siedlungen, schließlich wurde sie nach den Bluttaten von Mádéfalva, wahrscheinlich aber sogar etwas später, im letzten Jahrzehnt des XVIII. Jahrhunderts, gegründet. Die Umstände der Besiedelung des Dorfes werden allerdings nur durch mündliche Überlieferung weitergegeben. Und zwar so, dass Flüchtlinge aus Siebenbürgen, genauer gesagt aus Csík, zuerst in ein rumänisches Dorf namens Blegyest gegangen wären und dort als Korndrescher gearbeitet hätten. Diese Arbeiter seien dann an den Ort des heutigen Dorfes Pusztina gekommen, welches von einem Ungarn namens Nemes gepachtet war. Die ersten der Ankömmlinge hätten nur Einöde (=puszta helyet) vorgefunden, und so hätte das Dorf eben von diesem Umstand den Namen Pusztina, erhalten.

 

 

István Kaszáp, der in den 1910-er Jahren geboren wurde, erzählte hingegen den Ursprung Pusztinas so:
„Sie kamen hierher zum Dreschen und durch sie bekam Pusztina den Namen. Sie kamen hierher, und als die Szekler in Mádéfalva erschossen wurden, flüchteten sie hierher und versteckten sich, da sie sich ja hier schon auskannten. Und dann kamm hierher ein General, der Nemes hieß. Mein Vater erzählte mir dies, ich hingegen kannte diesen General nicht mehr. Und er pachtete ein Anwesen samt Mühle und Herrenhaus. Und die Drescher in Blegyest, an die dreißig Ungarn, kamen, als sie hörten, dass ein ungarischer Landbesitzer hier wäre, und siedelten sich in den Wäldern der Laci an. Denn die Laciak, und dann die Bece, dann die Erös und in hier auch die Pál und Barta, waren die ersten Bewohner von Pusztina. Und als sie von Blegyes kamen, fanden sie eine Glocke. Denn als die Türken gekommen waren und alle Glocken eingesammelt hatten, um aus dem Kupfer Kanonen zu gießen, war diese Glocke versteckt worden. Aber wer genau dies getan hatte, weiß auch heute niemand. Jedenfalls fanden diese Menschen die Glocke und brachten sie hierher nach Pusztina. Es war eine kleine Glocke.”
(Halász Péter: Die Ortsnamen von Pusztina (Pustiana), Budapest 1987, Magyar Névtani Dolgozatok - Ungarische Aufsätze aus der Namenslehre)

 

Später, im Jahre 1816, in der Zeit der siebenbürgener Hungersnot, wuchs die Bevölkerung erneut durch Szekler-Flüchtlinge. Es existiert im Dorf auch ein solche Erinnerung, dass in der Zeit um 1816 herum, dies könnte mit der großen Hungersnot in Siebenbürgen zusammenhängen, Siedler aus Siebenbürgen nach Pusztina gekommen wären. Nach einem meiner Informanten, hätte seine Großmutter erzählt, dass sie in früheren Zeiten (in den 1870-er Jahren) „noch über die Grenze ins Ungarland gegangen sind, um dort die Zurückgebliebenen zu besuchen.” (Halász Péter: Die Ortsnamen von Pusztina (Pustiana); Budapest, 1987.)

 

Geografische Lage

Die geografischen Koordinaten von Pustina: 46° 35´ 23” Nord, 26° 37´ 46” Ost.
Pusztina befindet sich von der einstigen (1000jährigen) Grenze des ungarischen Königreiches 40 km in Luftlinie und 67,5 km auf dem Landweg, entfernt.

 

 

Entfernungen von Pusztina (Straße):

 

Bacău (Bákó) – 36 bzw. 49 km

Comănești (Kománfalva) – 33 km

Moinești (Mojnest) – 20 km

Miercurea Ciuc (Csíkszereda) – 118 km

Gheorgheni (Gyergyószentmiklós) – 141 km

Onești (Ónfalva) – 50 km

Piatra Neamț (Karácsonykő) – 55 km

Roznov – 40 km

Cheile Bicaz (Békás-szoros) – 110 km

Lacu Roșu (Gyilkostó) – 115 km

 

Schriftliche Erwähnungen

„Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus 1792, in einer österreichischen Landkartenbeschreibung und auf der dazugehörigen sog. Squéllete-Landkarte, als Pustiian. Die Laufnummer der Ortschaft: 531, Anzahl der Häuser: 62, Familienoberhäupter: 24, wehrdienstfähige Männer: 40. In dem Dorf gibt es ein Pferd und 40 Ochsengespanne. Die Landkartenabschnittnummuer: 65.” (Domokos P. Péter: A moldvai magyarság - Die Ungarn der Moldau, S. 101-105)

 

Anton Cosa schreibt in seinem Buch Die katholische Gemeinschaft im Komitat Bákó (Comunitai catolice din judeul Bacau) auf S. 169:
Die katholischen Bewohner Pusztinas sind Flüchtlinge aus Siebenbürgen, welche vor der Zwangsrekrutierung in die Grenzregimenter durch die österreichischen Machthaber, im XVIII. Jahrhundert in die Moldau geflüchtet waren.” Ihre Anwesenheit in Pusztina wird im Diplomatarium Italicum, 1. Band, Seiten 203-215 (erschienen 1925) mit dem Jahr 11. Januar 1781, erwähnt. Das Dorf erscheint weiters auf der Landkarte von Moldau des österreichischen Generalstabes 1787-1791. (Prof. Iosif Gabor, Dicionarul comunitailor catolice din Moldova, Bacau, Ed. „Conexiuni”, 1996, Seite 221)

 

Demografische Entwicklung

  • 1792 – Anzahl der Häuser: 62, Familienoberhäupter: 24, wehrdienstfähige Männer: 40. Ein Pferd und 40 Ochsengespanne im Dorf.
  • 1830 – in rund 100 szeklerstämmigen ungarischen Familien leben 500 Seelen in Pusztina (Die Reisen nach Osten von Jerney János...1844 und 1845. Pest 1851, erster Band S. 203.)
  • Gegő Elek berichtet 1838 von Pusztina, welches zu dieser Zeit bereits 700 Einwohner hat.
  • Jerney beziffert 1844 die Einwohnerzahl mit 500, im Jahre 1851 mit 452, und 1857 mit 482.
  • Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts steigt die Bevölkerung auf 762. (Románia Nagy Földrajzi Szótára - Großes Geografische Wörterbuch von Rumänien, Bucuresti, 1898)
  • Laut der Volkszählung von 1930 leben dort 1.177 Menschen. Nach der eigenen Logik der rumänischen Statistik sind unter den Einwohnern des Dorfes keine aus der ungarischen „Rasse”, hingegen 1146 (97,4%) mit ungarischer Muttersprache und 1153 römisch-katholische Menschen.
  • Laut der Volkszählung von 2002 leben in Pusztina 1.961 Einwohner, 941 Frauen und 1020 Männer. Von diesen bekannten sich 1.549 als rumänisch, 338 als ungarisch, 72 als Csángó und 2 als anderen Volksgruppen zugehörig. Weiters bekannten sich 1.942 als römisch-katholisch, 18 als orthodox, und 1 Person als anderen Konfessionen angehörend. In der Gemeinde Perzsoj (Pirjol) bekannten sich von insgesamt 6.773 Einwohnern, 290 Personen (4,28%) als mit ungarischer Muttersprache und 88 (1,30%) als mit Csángó-Muttersprache.
  • 1995 – bei der Hausweihe zählte die Kirche 739 Familien, dh. 2105 römisch-katholische Gläubige.
  • 1999 – 730 Familien, 2083 Gläubige.
  • 2004 – 753 Familien, 2100 Gläubige.
  • 2007 – 743 Familien, 2067 Gläubige (Almanahul „Presa Buna”, Iasi).
  • 2009 – 720 Familien, 1938 Gläubige (Almanahul Presa Buna 2010, Iasi).

 

Nationalitäten

1844 schreibt Jerney János: „Die Ungarn (von Pusztina) sind trotz der Nachbarschaft zu den Rumänen reine Szekler; sie reden erfreut mit jedermann auf ungarisch. Sie sind fleißige Landwirte. Ein einziger jüdisch-stämmiger Rumäne lebt im Dorf, aber auch dessen Frau war eine Ungarin aus Pusztina”. (Jerney János keleti utazása... 1844 és 1845. - Jerney János Reisen in den Osten...1844 und 1845. Pest 1851, Erster Band, Seite 204.)

 

„Die alten Aufzeichnungen der Schule zeigen, dass im vorigen Jahrhundert (19. Jhdt.) die Familiennamen in Pusztina auf ungarisch geschrieben wurden: Kis, László, Veres. Diese wurden später rumänisiert: aus Bordás wurde Spataru, aus László Laslau, aus Veresböl Rosu. Becze konnte nicht ins rumänische übersetzt werden und blieb so Bete, wurde also nur rumänisch geschrieben.” (Halász Péter: Die Ortsnamen von Pusztina (Pustiana); Budapest, 1987. Magyar Névtani Dolgozatok)


Die Kirche

Die erste Kirche war 1780 aus Holz gebaut worden. Im Jahre 1830 wurde eine neue Holzkirche errichtet, welche der Feuersbrunst von 1848 zum Opfer fiel; 1849 wurde sie erneut aufgebaut. Diese wurde bis zum Jahre 1957 benützt, als die neue (jetzige) Kirche in Betrieb genommen wurde (diese war bereits 1937 zum Bauen begonnen worden).

„Diese alte Kirche war die erste Kirche in Pusztina. Sie war ganz aus Holz gebaut und nach dem ersten Weltkrieg zerstört. Und dort in dieser Kirche, fanden wir Geld unter der Mauer, und auch eine kleine Glocke, auf welche eintausendsiebenhundertvierundneunzig draufstand.” (Halász Péter: Pusztina (Pustiana) helynevei; Budapest, 1987. Magyar Névtani Dolgozatok)


„Die Kirchengemeinde von Pusztina, welche im Tázló-Tal die größte katholische Gemeinde war, spielte ab dem Beginn des 18. Jahrhunderts eine zentrale Rolle, und wurde ab 1806 zu einem eigenständigen Pfarrbezirk. Ihre Priester arbeiteten auf großem Gebiet, beinahe 20 Gemeinden mit insgesamt 15 Kirchen waren ihnen untergeordnet.” (Lumina Creștinului - Pr. Alois Moraru, Parohia Tărâța - Serie nouă - Anul XV - octombrie 2004, nr. 10)

 

Jerney János schreibt in seinem Buch „Reisen in den Osten” (1844 und 1845, Seite 203) das folgende:
„Mutterkirche aus Holz zu Ehren des Heiligen Stefans erbaut, im Pfarrkomitat Tatros. 1830 wurde es zum Pfarrbezirk...hat 23 untergeordnete Kirchen, zusammen mit 3400 Seelen.”

 

Nach der „Almanahul Presa Buna 2010” ist es ab 1880 ein eigenständiger Pfarrbezirk.

 

Die Kirche wurde zu Ehren des Heiligen Stefan erbaut, aus Holz, „auf dem Altarbild ist unser erster König in ungarischer Kleidung zu sehen.” (Jerney János Reisen in den Osten...1844 und 1845. Pest 1851, Erster Band, Seite 203.)

 

 

Pastor: pr. Benchea Augustin (ab 2006, geb.: 16.04.1971 in Somușca/Somoska), Kaplan: Sabau Marius (ab 2006, geb.: 08.09.1981 in Gioseni/Diószén)

 

1932 sammelt Domokos Pál Péter in Pusztian die mit „Ó, Szent István dicsértessél...” beginnende mittelalterliche Heilige Stefan-Hymne, welche von Nyisztor Ilona vorgetragen, angehört werden kann:

 

 

Schulen

1897 begann der Unterricht in der Volksschule mit 42 Schülern in der ersten Klasse. (Corneliu Stoica, Dicționarul istoric al localitaților trotușene, Onești, Ed. Aristarc, 1988, Seite 262)

 

1913-1916 wurde eine Schule gebaut, welche insgesamt 3 Klassenräume hatte (Indrumator in Arhivele Statului. Jud. Bacau, vol II, Indrumatoare arhivistice nr. 15, Bucuresti, 1989, Seite 349). Das Gebäude kam mit Nr. 288, dem Code BC-II-m-B-00885, auf die Liste des Jahres 2004 der historischen Baudenkmäler des Komitates, angenommen mit Bescheid (2314/8 vom Juli 2004) des Kultur- und Kultusministers. Die Liste erschien am 16. Juli 2004 in Monitorul Oficial al României, Partea I, an 172 (XVI), Nr. 646 bis.

 

Ab 1908 gibt es auch einen Kindergarten im Dorf. (Elena Ungureanu, Istoria învățământului preșcolar din jud. Bacău, manuscris; Rodica Șovar, Florica Balasa, Un secol de existență legiferată a învățământului preșcolar din România, București 1996, Seite 30)

 

1978 wurde aus Geldern der Gemeinde und Unterstützung des Komitates ein neues Schulgebäude übergeben, welches aus zwei Stöcken und den notwendigen Nebengebäuden besteht; seitdem erfüllt die „alte Schule” die Funktion eines Kulturhauses.

 

 

Unterricht der ungarischen Sprache

  • Die 1950-er Jahre ausgenommen, können wir im Csángóland nicht von ungarisch-sprachigem Unterricht reden.
  • 1946 formierte sich auch in Pusztina der örtliche Verein des Ungarischen Volksverbandes. Ab 1948 wurde auch ungarischsprachiger Unterricht organisiert, welcher aber bereits Mitte der 50-er Jahre aufgelöst wurde.
  • In den 1990-er Jahren organisierten in Siebenbürgen und Ungarn lernende Mittelschüler aus Pusztina, für die Kinder ihres Heimatdorfes Sommerkurse, wo die ungarische Schrift gelehrt wurde.
  • Ab 2001 begann der außerhalb der Schule stattfindende Ungarischunterricht.
  • Ab 2002 gelang es den Unterricht der ungarischen Muttersprache auch in den rumänischsprachigen Schulen einzuführen. Dies bedeutet wöchentlichen Unterricht im Ausmaß von 3-4 Stunden, welcher offiziell in den Schulnachrichten und Zeugnissen aufscheint.
  • Im Schuljahr 2009-2010 nahmen von den 120 Kinder der I. bis VIII. Klasse, insgesamt beinahe 80 Schüler am außerschulischen Unterricht und 59 Schüler am muttersprachlichen Unterricht in der Schule, teil.

 

Übersetzt aus dem Ungarischen von: Csaba Lendjel